Archiv für den Monat: April 2013

Kunstprojekt „Bürobedarf“ 2012

bb01Im Sommer 2012 fand in Oschersleben das Kunstprojekt „Bürobedarf“ statt. Es wurde ins Leben gerufen vom Betreuten Wohnen „Kontra“ und hatte zum Ziel, mit dessen Bewohnern auf einer brachliegenden Fläche zwischen Bahnhof und Netto-Markt einen kegelförmigen ehemaligen Bunker umzugestalten.

 

bb02Nachdem die Erlaubnis des Besitzers gegeben war, sich aber kein Bewohner fand, der die komplette Planung und Verantwortung übernehmen konnte, wurde versucht einen Künstler für das Projekt zu engagieren, was aber letztendlich nicht klappte.

Schließlich wurde mit dem Graffitikünstler Peka ( www.pekadent.de ) doch noch ein Workshopleiter gefunden, sodass die Planung und Umsetzung der Aktion beginnen konnte.

bb05Von entscheidender Bedeutung für solch ein Projekt ist auch die Frage der Finanzierung. Hier bedanken wir uns beim Lions Club Oschersleben, ohne dessen Unterstützung die ganze Aktion nicht möglich gewesen wäre.

Am ersten Tag der Aktion trafen sich alle Teilnehmer früh morgens im Büro des Betreuten Wohnens in der Berliner Straße (in der Nähe des Bunkers) und es wurden Ideen gesammelt, Skizzen gemacht und verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten diskutiert.

grundieren grundieren grundieren der bleistift entsteht

Zuerst war geplant, Pflanzen, Natur oder Tiermotive auf das Grau des Kegels zu bringen, was aber abgelöst wurde von der Idee, die Kegelform des Objekts zu nutzen, um zum Beispiel einen Bohrer, eine Rakete oder, was sich schließlich durchsetzen sollte, einen Bleistift aus dem Objekt zu machen. Die Teilnehmer entschieden sich für die Variante „Bleistift“, da eine solche Form dafür prädestiniert schien und man die Gelegenheit nutzen wollte. Schließlich hat man nicht oft einen kegelförmigen Bunker zum gestalten – Flächen um Pflanzen oder Natur darauf zu malen gibt es hingegen häufiger. Dafür braucht es keine Kegelform. Im Gegenteil, die Form würde die Gestaltung sogar schwerer machen. Der Plan war also, eine Bleistiftspitze ‚aus der Erde kommen zu lassen‘, und die umliegenden Betonbrocken als weitere Büro-Elemente, wie Radiergummi oder zerknülltes Papier in das Konzept zu integrieren.

Noch am selben Tag begann die Arbeit.
Einige ‚Kontraraner‘ hatte bereits das Gelände um den Kegel vom hohen Gras, Müll, Steinen und Stahldraht befreit und Leitern, Gerüste, Wandfarbe, Pinsel und Rollen waren ebenfalls bereits beschafft worden – womit klar ist, welches der nächste Arbeitsschritt war – die Grundierung. Es ging also daran alle Flächen von Moos, Staub und Steinen zu befreien und mit Fassadenfarbe zu grundieren. Das dauerte fast 3 Tage, weswegen nebenher schon mit der Gestaltung begonnen wurde, um nicht nur eintönige Arbeit zu haben.

die bleistiftspitze die radiergummies entstehen

Beginnend mit dem Kegel schritt die Grundierung langsam voran, und als die kleineren Betonbrocken gestrichen wurden, begann am Kegel schon die Umgestaltung zum Bleistift.. ..oder eher zu einem Buntstift, zu sehen an der gelben Spitze, welche vor einem blauen oder grauen Himmel einfach freundlicher und leuchtender wirkt als eine schwarze Spitze, wie uns auch unser Workshopleiter versichern konnte.

pause beim füllen der flächen

So nahm nach und nach das ganze Konzept Gestalt an. Jeden Tag gab es eine Mittagspause in der man sich individuell beim nahen Netto versorgen, oder mitgebrachtes verzehren konnte. Wir hatten, dank einem Bewohner des Kontra Berliner Straße, Radio über eine Verlängerungsschnur und auch Getränke aus dem Büro des Kontra. Diese ‚Kleinigkeiten‘ halfen, die allgemein gute Stimmung zu unterstützen. Das Wetter spielte auch mit – wir hatten erst am letzten Tag, nach dem Aufräumen, den ersten Regen.

logos

Der Kegel sah bald aus wie ein Buntstift, die Grundierung war fertig und die Radiergummis waren auch bald als solche zu erkennen. Michael, unser Workshopleiter (Peka), übernahm die kritischen und wichtigsten Arbeiten sowie die Kletterei auf der Leiter um in der Höhe zu arbeiten und wir malten aus, halfen, und stellten fertig wo wir konnten. Das war auch gut so, denn jemand musste die Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass alles fertig wurde und am Ende ein gutes Ergebnis zu sehen ist.

abschlussfotoDer Plan sah weiterhin vor, dass jeder der Teilnehmer sich auf den umliegenden Betonbrocken ausprobieren und verewigen konnte. So entstanden noch kleine Einzelwerke nach dem Geschmack des jeweiligen Teilnehmers. Kurz vor Ende des Workshops wurden noch kleine Papiermännchen (oder Origamifiguren) als besondere Details hinzugefügt. Einer erklimmt den Bleistift, ein anderer befindet sich am Fuß des Stiftes und einer wurde unglücklicherweise von einer Papierkugel (Betonbrocken) erwischt und darunter begraben.

gesamtbild

Alles in allem war dieser Workshop, das Kunstprojekt, eine schöne Erfahrung und willkommene Abwechslung zum täglichen Trott. Es war sehr anstrengend und teilweise mühsame Arbeit, doch die Gesellschaft mit anderen, der Austausch und die Bewegung an der frischen Luft verhalfen zu einem besseren Körpergefühl und waren eine Unterbrechung der sonstigen Routinen im tägliche Leben und Denken.

Zum Abschluss des Kunstprojektes kamen Journalisten von Volksstimme und General-Anzeiger zum Ort des Geschehens und es entstanden Artikel in beiden Zeitungen.

auf die spitze getrieben bleistiftspitze besiegt betonbunker